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Luisa Lüttig: Steinmetzin und Steinbildhauerin, Gesellin.

Luisa: Ideen in Stein gemeißelt

Was an Luisa Lüttig zuerst auffällt, das sind ihre wunderschönen, rot gelockten Haare. Beim zweiten Blick wird klar, Luisa ist eine Macherin. Selbstbewusst und fröhlich betritt sie die Kulisse beim Fotoshooting "Handwerks Miss&Mister".

Ursprünglich kommt Luisa aus Göppingen. Gerade besucht sie mit ihrem Freund gemeinsam die Meisterschule in Aschaffenburg. Der elterliche Betrieb Lüttig Grabmale fertigt in der fünften Generation Denkmale für die Ewigkeit. Luisa lacht, wenn sie sich an ihre Kindheit erinnert. "Gefühlt war ein Laufstall in der Werkstatt und einer im Büro." Mit 12 oder 13 Jahren hatte sich der Gedanke gefestigt, Steinmetzin zu werden. "Dachte ich." Doch eine gute Freundin weiß es besser. "Ich kenne sie seit meinem 3. Lebensjahr und sie meinte‚ nee, nee, Luisa, Du hast bereits mit fünf Jahren auf meinem Bett gesessen und da schon gesagt: 'Ich werde Steinmetz wie mein Papa.'"

"Der Steinmetz ist für mich das einzig Wahre"

Als Steinbildhauerin erarbeitet Luisa auch freie Figuren. Foto: © privatAls Steinbildhauerin erarbeitet Luisa auch freie Figuren. Foto: © privat

Um sicher zu sein, dass der Beruf Steinmetz die richtige Wahl ist, absolvierte sie einige Praktika. Zunächst macht sie eine Ausbildung zur Ziseleurin. Gleich ums Eck ist die Kunstgießerei Strassacker für Bronzegüsse. Schnell war klar: "Der Steinmetz ist für mich das einzig Wahre." "Es war das Gefühl, das erste Mal an einem Stein zu arbeiten und zu merken, wie er sich unter der Arbeit der Hände verändert und Form annimmt. Bis zum Punkt, bis du merkst, dass Du was kannst", erklärt sie, "braucht ein Steinmetz unendlich viel Geduld." Ein Steinmetz muss das Material kennenlernen, die Werkzeuge. "Dann, wenn du nach getaner Arbeit keine Schwielen mehr an den Händen hast, weil du dir einfach auch nicht mehr auf die Hände haust und das erste Werkstück ohne fehlende Ecke vor dir steht, das ist ein unglaublicher Moment." Der war bei Luisa, weit bevor sie ihr Gesellenstück gefertigt hatte. Eine kubistische Meerjungfrau, die heute noch in der Wohnung der Eltern steht.

"Dass ein Steinmetz nur Grabmale fertigt, ist ein Gerücht," versichert sie. Steinmetze können alle möglichen Dinge aus Stein fertigen. Dazu gehören Böden, Treppen. "Wir können einen kompletten Innen- und Außenausbau vornehmen. Pools auskleiden." Aber einer der wichtigsten Teile ist die Restaurierung. "Wir sanieren und erneuern alte Denkmäler, Burgen, Schlösser, Kirchen, Brücken und vieles mehr. Das wird oft unterschätzt." Auf die Frage, wo sie am liebsten tätig ist, folgt eine kurze Überlegung, ein herzliches Lachen, dann räumt Luisa ein, dass ihre Lieblingsdisziplin tatsächlich die Grabsteine sind. Sie legt Wert darauf, Unikate zu erstellen. Ein Grabstein mit einem Reh, eine vollplastische Katze, die mit einem Wollknäuel spielt, eine Schreibmaschine im Stil der 20er Jahre – der Fantasie sind hier kaum Grenzen gesetzt.

"Ich habe so viele Ideen, die ich noch in Stein meißeln möchte"

Luisa liebt es, kreativ zu sein. Foto: © privatLuisa liebt es, kreativ zu sein. Foto: © privat

Luisa ist wichtig, darauf hinzuweisen, dass sie "Steinmetzin UND Steinbildhauerin" ist. Ein Steinmetz arbeitet mehr geometrisch. Der Steinbildhauer dagegen erarbeitet freie Figuren. "Das sind beispielsweise die etwas gruselig wirkenden Figuren an den Ecken der Kirchen, auch Wasserspeier genannt", beschreibt die Künstlerin Luisa den Unterschied. Luisa hatte Glück und schon viele coole Aufträge bekommen. Darunter den Trinkwasserbrunnen für die Schaffhausener Tourismuszentrale. Ich habe so viele Ideen, die ich noch in Stein meißeln möchte", startet die 23-Jährige gerade erst richtig durch.

Noch in der Berufsschule lernt sie Mark kennen. Es sollte eine Beziehung von Dauer sein. Jetzt planen sie, nach der Meisterschule den Betrieb gemeinsam in die fünfte Generation zu führen. 2022 ist der Einstieg Schritt für Schritt geplant. Und Schritt für Schritt soll auch das Angebot erweitert werden. "Unser Ziel ist es nicht, jeden Bereich abzudecken. All-in-one ist schön und gut, wenn genügend Mitarbeiter im Betrieb sind. Leider fehlt der Nachwuchs im Steinmetzgewerk." Daher wünscht sich Luisa, dass der Beruf und das Handwerk viel mehr Präsenz in der Öffentlichkeit zeigen. "Die Ausbildung endet nicht mit dem Gesellen. Es gibt die Meisterausbildung, Techniker, Restaurator, Studiengänge und die Selbstständigkeit." Mit letzterer hat sich Mark anfangs schwergetan. Doch jetzt erlebt er, wie schön es ist, sein eigener Herr zu sein. "Wir ergänzen uns sehr", sagt Luisa und betont, dass die Stärken beider Steinmetze ein perfekt-harmonisches Miteinander versprechen. Für Luisa ist das Gestalterische mehr ihr Ding. Bei den Schriften punktet sie auch ganz klar. Dafür ist Mark beim geraden Schnitt und einer geraden Fläche viel besser. "Mark ist ein Zahlenmensch und hat die Handhabung am Bau perfektioniert. Er kann alles, was man am Bau können muss und noch mehr."

"Macht ein Praktikum im Handwerk"

Luisa ist Feuer und Flamme für das Handwerk. Foto: © privatLuisa ist Feuer und Flamme für das Handwerk. Foto: © privat

Warum sie beim Wettbewerb dabei ist, erklärt sie so: "Es war witzig." Als "Stein_fluencerin" bekommt sie von allen Seiten Bewerbungsformulare zugeschickt. "Eigentlich bin ich kamerascheu." Früher wurde sie sehr gemobbt. Die beste Freundin meinte irgendwann: "So, du zeigst jetzt dein Handwerk auf Instagram und du zeigst dich." Am Anfang postet sie nur ihre Steine. Das Gesicht tauchte nie auf. Irgendwann wird sie aufgemuntert, auch ihr Gesicht zu zeigen. Okay, ich versuche es mal. Inzwischen kommen viele verschiedene Medien auf die hübsche Frau mit den auffallenden, rot gelockten Haaren zu. Der Startschuss dazu war eine ihrer Arbeiten auf dem Titelblatt einer Fachzeitschrift.

Mit Blick auf den Berufsnachwuchs empfiehlt sie: "Den jungen Leuten sollte man nicht sagen, macht eine Ausbildung im Handwerk, sondern macht ein Praktikum im Handwerk. Nach einem Praktikum wissen sie von ganz alleine, ob es ihnen gefällt oder nicht. Ich weiß es, denn ich schaffe etwas, was bleibt."

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